Verdopple Deine Fehlerrate
Der Lernerfolg ist bekanntermaßen am größten, wenn man etwas falsch gemacht hat. Ein Projekt, das schief gelaufen ist, oder ein Produkt, das sich als Flop erwies, sind wahre Fundgruben zum Lernen. In einem Artikel in der Harvard Business Review zeigen Paul J.H. Schoemaker und Robert E. Gunther eine Methode auf, wie man den Lerneffekt durch das Begehen von Fehlern maximieren kann.
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Ausgangspunkt der Überlegungen von Schoemaker und Gunther ist die Erkenntnis, dass zahlreiche Innovationen nur durch das Begehen von „Fehlern“ möglich wurden: Sei es das Logistik-System von FedEx, das zunächst als unsinnig erklärt wurde, oder die Entwicklung des berühmten Phonographen, an dessen kommerziellen Erfolg zunächst auch dessen Erfinder Edison nicht glaubte.
Um das Begehen von Fehler zu systematisieren, haben Schoemaker und Gunther fünf Situationen beschrieben, in denen man absichtlich Fehler machen sollte:
- Der potenzielle Gewinn übertrifft bei weitem die Kosten des Fehlers.
- Entscheidungen werden wiederholt getroffen (d.h. viele kleine Entscheidungen hängen von einer Schlüsselannahme ab).
- Die Umwelt hat sich dramatisch verändert (Fehler können den Lernprozess in der neuen Situation beschleunigen).
- Das Problem ist komplex und es gibt viele Lösungen (bewusst begangene Fehler können Schwächen mentaler Modelle aufdecken).
- Das Unternehmen hat mit einem bestimmten Problem nur begrenzte Erfahrungen (oft werden in solchen Situationen alte Modelle angewandt, die aber unter den neuen Bedingungen nicht getestet sind; absichtliche Fehler können auch hier den Lernprozess beschleunigen).
Es bleibt die Frage, welche der unendlich vielen Fehler, die man bewusst machen könnte, sind sinnvoll? Schoemaker und Gunther empfehlen ein sechsstufiges Vorgehen:
- Identifizieren der Grundannahmen im Unternehmen (also diejenigen, die selten in Frage gestellt werden).
- Auswählen derjenigen Grundannahmen, die getestet werden sollen (am besten diejenigen, deren Richtigkeit am wenigsten bezweifelt wird – die anderen werden sowieso früher oder später getestet).
- Beurteilung der Grundannahmen im Hinblick auf die oben genanten fünf Situationen.
- Entwicklung einer Strategie, wie der Fehler begangen werden soll.
- Begehen des Fehlers.
- Lernen aus dem Prozess lernen.
Sie zweifeln, ob sich der Weg des Fehler Machens lohnt? Immerhin: Google hat bei seinem Börsengang erklärt, dass sie Geld in Projekte investieren werden, die „sehr spekulativ oder gar seltsam erscheinen“ - um hierbei aus Fehlern lernen zu können. Und Thomas Watson (Gründer IBM) bemerkte: „Wenn Du Erfolg haben willst, dann verdopple Deine Fehlerrate.“
Wer mehr wissen möchte: Schoemaker, Paul J. H.; Gunther, Robert E.: Machen Sie mehr Fehler: Es lohnt sicht! In: Harvard Business manager, Heft August 2006, S. 72- 79; online zu erreichen über das Harvard Business manager-Archiv; kostenpflichtiger Artikel: 4,00 EUR.
